12 April 2013

Warum kein Pet-Trailer bei der Suche nach Sky

geschrieben von Mandy unter: Persönliches; Wauzis; Wissenswertes .

Vielen von euch haben sicher die Suche nach dem entlaufenen Sheltie-Mix SKY in den sozialen Medien und Blogs verfolgt. Sky war am Montag von einer Kaninchenjagd nicht zurückgekehrt und galt seit dem in Essen als vermisst.
Nach vergeblicher Suche von Halter und deren Freunden wurde schließlich am Dienstag die Tierrettung Essen um Mithilfe gebeten. Wie immer wurde auch wir (Tina und ich) über den Fall informiert und um Einschätzung der Lage gebeten. Für uns war schnell klar, dass der Einsatz unserer Suchhunde hier nicht sinnvoll ist.
Leider tauchte bei der Suche nach Sky auch Wiebold TV, in NRW besser als Blaulichtreporter bekannt, auf.
Was dann folgte, kann jeder in diversen Netzwerken, der Presse und im TV nachsehen.
Zum Glück konnte Sky, der sich übrigens nicht wie angenommen im Kaninchenbau befand, wohlbehalten am Abend eingefangen werden, so dass er nun wieder bei seiner Familie ist.

Man sollte meinen, dass doch nun alles gut ist… Pustekuchen, ein Streit um die Kosten des Einsatzes der Tierrettung entbrannte und immer wieder wurde die Tierrettung beschuldigt, den versprochenen Suchhund nicht geholt zu haben.
Stimmt natürlich nicht, denn Tina machte sich vor Ort ein Bild der Lage (mit dem gleichen Ergebnis).
Am Mittwoch Abend musste ich dann feststellen, dass Herr Wiebold einen Satz meiner Stellungnahme auf seiner Webseite zitierte. Da dies völlig aus dem Zusammenhang war und somit einen falschen Rückschluss der Sachlage zuließ, bat ich um Löschung meines Namens auf seiner Webseite. Was ich als Antwort bekam war eine, naja, sagen wir mal unsachliche Mail, mit dem Hinweis, dass mein Name großzügiger Weise gelöscht worden wäre. Hätte nun auf der Webseite kein unsachlicher Kommentar dazu gestanden, hätte ich es auf sich beruhen lassen. So sah ich mich nun doch gezwungen eine offene Stellungnahme an Herrn Wiebold zu senden. Leider wurde sie bisher nicht auf seiner Seite veröffentlicht. Deshalb tue ich es nun hier:

Sehr geehrter Herr Wiebold,

vielen Dank für Ihr freundliches Entgegenkommen! Leider scheinen immer noch Missverständnisse im Raum zu stehen.

Ich habe Ihnen nicht mit einer Klage gedroht, sondern lediglich darauf verwiesen, dass ich weitere Schritte einleiten würde (eine Klage wäre darunter der alleräußerste). Nun denn, Sie sind ja meinem Wunsch gefolgt 🙂

Dennoch würde ich mich sehr freuen, wenn Sie mein Zitat richtig einordnen würden. Bisher wirkt es noch immer so, als hätten wir, die (übrigens von der Tierrettung Essen unabhängigen) Suchhundeführer, kein Interesse am Wiederfinden von Sky gehabt. Dem ist natürlich nicht so und deshalb möchte ich sie gerne noch einmal über das ganze Thema aufklären:

Ich persönlich hatte am Dienstag in Facebook über das Verschwinden von Sky gelesen und überlegte anhand der ersten Infos, ob es sinnvoll sein würde, einen Suchhund einzusetzen. Dabei gibt es eine, nennen wir es mal Check-Liste, anhand derer so etwas geprüft wird.
Für den Einsatz eines Suchhundes kommen dabei folgende Fälle in Betracht:
1. der Hund ist angefahren worden/ in einen Unfall verwickelt worden, es ist davon auszugehen, dass der Hund verletzt ist und ärztliche Hilfe benötigt
2. der Hund ist alt und möglicherweise schon taub und blind oder hat andere Gebrechen
3. der Hund ist mit Leine und Halsband weggelaufen, so dass die Gefahr besteht, dass er sich stranguliert

Allen drei Kriterien ist gemeinsam, dass Gefahr im Verzug ist.

Hinzu kommen noch notwendige Voraussetzungen für eine Suche: Man braucht Geruchsträger, die möglichst nur den Duft des zu suchenden Hundes tragen und einen „Ansatzpunkt“, also eine Stelle, an der Spuren des zu suchenden Hundes zu erwarten sind.

In allen anderen Fällen richtet man mit einem Suchhund mehr Schaden als Nutzen an. Das liegt insbesondere daran, dass Hunde sehr schnell ins Instinktverhalten verfallen und eine Suche mit Suchhund, als Jagd verstehen. Man würde ihn also immer vor sich hertreiben und u.U. würde der Hund dabei auf eine Straße laufen und sich selbst und Menschen gefährden.

Im Fall von Sky traf keiner der o.g. Punkte zu, noch dazu kommt, dass er Menschen gegenüber (nach Aussage der Halterin) scheu und zurückhaltend ist. Beim Trailen ist es aber nun mal so, dass der Hundeführer über die Leine mit dem Hund arbeitet, also immer dabei ist. Es war also davon auszugehen, dass hier mit fremden Menschen mehr Schaden angerichtet wird als Nutzen!

Später wurde ich darüber informiert, dass sich der Hund möglicher Weise in einem Kaninchenbau befindet und wir mit einem Suchhund diesen Verdacht absichern sollten. Die Begründung dafür: Der zweite Hund von Frau Suhr habe dort aufgeregt gesucht, und Frau Suhr habe in der Nähe ein Stück Fell gefunden. Auch hier waren wir uns recht schnell einig: So gut wie jeder Hund, ob Suchhund oder nicht, hätte diesen Kaninchenbau aufgeregt untersucht – wegen der Kaninchen!

Dennoch entschieden wir dann, uns ein Bild vor Ort zu machen, so dass meine Teamkollegin mit ihrem Suchhund vor Ort war. Das Ergebnis war dennoch das gleiche, sie konnte nur mit Tipps unterstützen.

Bitte verstehen Sie, dass ich mich nicht auf die Seite der Tierrettung schlagen will; die Geschichten um die nicht sofort ausgestellte Quittung und die Höhe des Betrages stehen für mich auf einem ganz andere Blatt und sind sicher klärenswürdig.

Mir persönlich geht es hier um die falsch dargestellte Sachlage.
Wir (die unabhängigen Suchhundeführer) bemühen uns bereits seit Monaten im Interesse der Hunde gerade hier im Ruhrgebiet um eine gut koordinierte Hilfe, wenn ein Hund entlaufen ist. Dazu gehören neben der Koordination einer solchen Suche (Plakate, Flyer, Information von Behörden) auch die Ausbildung und die klare Definition der Einsätze von Suchhunden.
Da es sich hier um ein sehr emotionales Thema handelt, ist dies sehr schwierig und mit sehr viel Aufwand verbunden.
Mit ihrer Falschdarstellung und dem Aufruf nach irgendeinem Suchhund haben sie unsere Arbeit möglicher Weise weit zurückgeworfen. Das wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Nicht jeder Hund, der das Trailen (nach Menschen) gelernt hat, und selbst hier reden wir über eine jahrelange Ausbildung, ist zu gleich ein guter Dog-/Pettrailer. Selbst wir mit unseren Hunden stehen hier noch ganz am Anfang.

Statt uns in ein so schlechtes Licht zu rücken, weil Sie möglicher Weise mit Herrn Witte persönliche Differenzen haben, wünschte ich mir eine nützliche und sinnvolle Aufklärung für unsere Tiere/Hunde.

Mit freundliche Grüßen

Mandy van den Borg

P.S. Diese Mail dürfen Sie nun gerne auch mit meinem Namen (ungekürzt) veröffentlichen!

—————

Wer Fragen zum Einsatz von Suchhunden zur Hunde/Tiersuche hat, kann mich gerne ansprechen!

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